08.11.2023

Instant Payments: EU setzt neue Standards und Banken müssen handeln

Instant Payments – das sind Zahlungen von Konto zu Konto, rund um die Uhr und innerhalb von 10 Sekunden. Bisher waren Banken nicht verpflichtet, diese Echtzeitzahlungen anzubieten. Das soll sich jetzt ändern.  Am 07.11.2023 haben das EU-Parlament und der Rat der EU-Staaten eine Einigung erzielt. Nach einer Übergangsfrist sollen Instant Payments für Banken und andere Zahlungsdienstleister, die Standardüberweisungen in EUR anbieten, zur Pflicht werden. Eine neue Regelung gibt es auch zu den Gebühren. 

Artikel teilen:

Lesezeit:

Der Unterschied zwischen Instant Payments und SEPA-Überweisungen

Instant Payments – auch SCT Inst oder SEPA-Echtzeitüberweisungen genannt, sind Euro-Überweisungen innerhalb der 34 Länder des gemeinsamen europäischen Zahlungsraums. Sie ermöglichen die Überweisung von Geldbeträgen bis max. 100.000 EUR innerhalb von wenigen Sekunden – jederzeit, rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr. Instant Payments werden innerhalb von 10 Sekunden gutgeschrieben, Standardüberweisungen dauern hingegen ein oder mehrere Tage.

Instant Payments auf dem Weg zum „New Normal“

Es gibt Situationen, in denen es für Bankkunden wichtig ist, dass das Geld sofort beim Empfänger verfügbar ist. Rund 1.200 Banken in Deutschland bieten Instant Payments an, einige allerdings nur für eingehende Zahlungen. Die Gebühren für Echtzeitüberweisungen sind in der Regel höher als für eine Standard-Überweisung. Das soll nicht so bleiben. Unterhändler der EU-Länder und des Europaparlaments einigten sich am 07.11.2023 darauf, dass Banken und andere Zahlungsdienstleister, die Standardüberweisungen in Euro anbieten, künftig auch Sofortüberweisungen in Euro anbieten müssen.  Die Gebühren dürfen nicht höher sein als die Gebühren für Standardüberweisungen.

On-Demand-Webinar

Instant Payment und Sanctions Screening bei Banken und Finanzdienstleistern

Erfahren Sie im Webinar mit Jens Tegeler wie sich Banken und Finanzdienstleister auf die Veränderungen am Markt durch Instant Payments vorbereiten.

Aufzeichnung ansehen

Die Konsequenzen für das Sanction Screening von Instant Payments

Ein Streitpunkt in der Debatte war der Vorschlag, dass Zahlungsdienstleister ihre Kunden mindestens einmal täglich anhand der EU-Sanktionslisten überprüfen sollen. Dies würde bedeuten, dass nicht alle Transaktionen einzeln geprüft werden müssten. Die Sanktionsprüfung bei Instant Payments wäre zwar einfacher, würde aber nicht alle Risikofaktoren abdecken. Zusätzlich steht die Vorgehensweise im Konflikt mit anderen gesetzlichen Regelungen.

Für Finanzinstitute, die in mehreren Ländern oder Regionen tätig sind, ist der risikobasierte Ansatz das wahrscheinlichste Szenario. Sie entscheiden dann individuell, welche Zahlungen sie in Abhängigkeit vom regulatorischen Kontext und ihrer Risikobereitschaft prüfen. Faktoren sind zum Beispiel Art der Zahlung (Inland vs. Ausland), ungewöhnliche Muster (z.B. Durchlauftransaktionen), Wert der Transaktion oder Herkunft/Ziel der Zahlung (z.B. Land/Region, Art des Empfängers).

Die Sanktionslistenprüfung muss vor der Ausführung der Zahlung durchgeführt werden. Da das Sanction Screening nur einen Teil des Zahlungsvorgangs ausmacht, steht dafür nur ein begrenztes Zeitkontingent zur Verfügung. Dieses liegt zwischen 500 Millisekunden und einer Sekunde. Diese Zeitspanne erfordert eine effiziente IT-Infrastruktur und die Nutzung aller technischer Möglichkeiten, wie beispielsweise Schnittstellen-Anpassungen, Speicherung von Treffern und Abklärungen, Cache-Optimierung, Workflow- und GUI-Anpassungen.

Wie bereiten sich Banken auf die Instant-Payment-Verpflichtung vor?

Instant Payments passen grundsätzlich gut in die Digitalisierungskonzepte der Banken. Die Krux an der Sache: Die Risiken sind höher, und die IT-Systeme müssen in der Lage sein, Entscheidungen in Sekundenbruchteilen zu treffen. Das erfordert eine intensive Vorbereitung.

Banken, die mit ihrem Instant-Payment-Projekt schon weiter sind, berichten von mindestens sechs Monaten Vorlaufzeit für Analysen, Integration der verschiedenen Bereiche und Klärung der IT-Infrastruktur.

Dies ist eine Auswahl von Fragen, mit denen sich die Verantwortlichen in einer Bank beschäftigen:

  • Wie müssen sich das Zahlungsverkehrs- und das Compliance-System ändern, um 24/7/365 zu gewährleisten?
  • Wie lassen sich False Positives reduzieren?
  • Mit welchen Schnittstellen können Umsysteme am besten angesprochen werden?
  • Wie erfolgt das Requirements Engineering, in Eigenregie oder mit einem Dienstleister?
  • Was ist das Kerngeschäft? Gibt es Möglichkeiten, das Geschäftsmodell zu ergänzen?
  • Was sind die Ansprüche der Kunden?
  • Wie hoch ist das Risiko, dass sich die Kundenzufriedenheit verschlechtert?
  • Gibt es außer Instant Payments andere Services, die verbessert werden können?

Das Ziel: Breite Verfügbarkeit von Euro-Instant-Payments auf EU-Ebene

Damit eine Überweisung als Echtzeit-Überweisung ausgeführt werden kann, muss auf beiden Seiten der Überweisung ein Zahlungsdienstleister, also ein Payment Service Provider (PSP) vorhanden sein, der die gleichen Regeln, Praktiken und Standards einhält („Scheme“). Für Euro-Instant Payments innerhalb von SEPA wurde 2017 vom European Payment Council das Single Credit Transfer (SCTInst)-Scheme eingeführt. Eine breite Teilnahme der PSP an diesem Scheme ist eine wichtige Voraussetzung für die breite Verfügbarkeit von Euro-Instant Payments auf EU-Ebene.

Instant Payments in der Schweiz: Wie und ab wann?

Marktteilnehmer in der Schweiz müssen sich noch gedulden. Die Verbindung zwischen den Bankkonten stellt das von SIX im Auftrag der Schweizerischen Nationalbank betriebene Zahlungssystem Swiss Interbank Clearing (SIC) her. Technisch ist SIC in der Lage, Zahlungen in Echtzeit abzuwickeln. Damit jedoch Instant Payments über die gesamte Zahlungskette hinweg funktionieren, sind Anpassungen im Betrieb und in der Organisation der Schnittstellen zwischen den Banken und SIX notwendig. Mit der Veröffentlichung der fünften Generation von SIC Ende 2023 legt SIX den Grundstein für Instant Payments analog zum europäischen Standard SEPA Instant Credit Transfer. Ab August 2024 müssen die größten Schweizer Banken fähig sein, Instant Payments zu verarbeiten, bis 2026 sollen die restlichen folgen.

Die 6 wichtigsten Fragen zum Instant Payment und Sanktionsscreening:

Wie wird die Verfügbarkeit des Systems definiert?
24/7 an 365 Tagen mit einer Zero-Downtime

Wie lange darf die die Antwortzeit sein?
Sie liegt bei max. 10 Sekunden und kann in Ausnahmefällen auf 20 sec. ausgedehnt werden.

Was bedeutet dies für das Sanctions Screening?
Das System muss die Sanktionslistenprüfung im Idealfall innerhalb von 500 Millisekunden abgeschlossen haben, maximal darf die Prüfung eine Sekunde dauern.

Welche Daten prüft das Instant Payment Sanction Screening?
Das Sanctions Screening prüft Transaktionsdaten, wie IBAN, Verwendungszweck, gesperrte Banken oder Länder.

Was ist der Unterschied zur Sanktionslistenprüfung von SEPA-Überweisungen?
Das Instant-Payment-Screening gleicht Überweisungsdaten mit Sanktionslisten ab. Sobald ein „Treffer“ gefunden wird, wird die Zahlung abgelehnt. Eine manuelle Abklärung, wie bei einer Standard-Überweisung, ist nicht möglich. Um die Kundenzufriedenheit nicht zu gefährden, ist die Reduzierung von False Positives beim Instant Payment Screening noch viel wichtiger als bei SEPA-Überweisungen.

Was muss eine Sanction Screening Software leisten?
Die Instant Payment Sanktionslistenprüfung hat massive Auswirkungen auf die IT-Infrastruktur, um eine Prüfung innerhalb von 500 Millisekunden bis max. einer Sekunde zu liefern. Dies erfordert Anpassungen an den Schnittstellen. Die Speicherung der Treffer und Abklärungen muss an das strenge Zeit-Regime angepasst werden. Weitere Optimierungen sind im Cache, im Workflow- und in der GUI erforderlich

Fazit

Experten gehen davon aus, dass es eines Tages keine herkömmlichen SEPA-Überweisungen mehr geben wird, sondern nur noch Instant Payments. Aus Eigeninteresse bieten Banken bereits heute schon Instant Payments an, entweder nur für eingehende Zahlungen oder auch für ein- und ausgehende Zahlungen. Der Trend ist also nicht aufzuhalten. Die Banken bereiten sich auch auf das Sanktionsscreening vor, und zwar nicht nur auf die Sanktionslistenprüfung, sondern auch auf die Prüfung anderer Faktoren nach dem risikobasierten Ansatz. Damit sind sie besser für die Zeit gerüstet, in der es nur noch Instant Payments geben wird.

Das könnte Sie auch interessieren:

Success Story: KI in der Zahlungsüberwachung

VP Bank Gruppe setzt auf Fuzzy Payment Screening mit Machine Learning und halbiert Arbeitsaufwand. Die VP Bank Gruppe ist eine international tätige Privatbank und gehört zu den größten Banken Liechtensteins.

Anwenderbericht herunterladen
Whitepaper: Payment Screening mit Machine Learning

Wie Banken und Finanzdienstleister den Konflikt zwischen Kosten und Risiko bei der Überwachung von Zahlungen unter einen Hut bringen.

Whitepaper herunterladen
Whitepaper: Anti-Geldwäsche mit künstlicher Intelligenz

Immer mehr Banken und Versicherungen stoßen bei der Geldwäsche-Prävention an Grenzen – sowohl beim Personal als auch bei der Wirtschaftlichkeit. Es gibt aber Möglichkeiten, dem Dilemma entgegenzuwirken.

Whitepaper herunterladen