06.08.2018

Wie digital kann Compliance mit RegTech eigentlich noch werden?

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Reg und Tech sind zwei Welten: Eine juristische und eine digitale. Als RegTech bestimmen sie die Zukunft der Compliance. Aber wie digital ist Compliance eigentlich heute schon? Finanzinstitute und Versicherungen sind in der Digitalisierung schon weit vorangekommen. Aber sie wollen noch mehr.

  • Prozesse beschleunigen und weitgehend automatisieren, um Kosten zu reduzieren
  • Flexibler für neue regulatorische Vorgaben sein (5. EU Geldwäsche-Richtlinie oder FIDLEG)
  • Präzision von Analysen erhöhen

Dafür bieten sich einige Möglichkeiten:

Daten für KYC und Customer Due Diligence (CDD) strukturieren

KYC Daten sind nicht immer aktuell. Banken und Versicherungen führen deshalb oft spezielle Qualitätssicherungs-Aktionen durch und erfassen fehlende Daten von Neu- und Bestandskunden. Liegen KYC-Daten gut strukturiert vor, lassen sich hochwertige Analysen durchführen, um das Kundenverhalten mit dem KYC-Profil abzugleichen. „Tech“ hilft also, Kunden und seine Aktivitäten noch besser zu kennen und Auffälligkeiten sofort zu erkennen.

UBOs finden

Geschäftsmodelle sind oft undurchsichtig. Das gilt besonders dann, wenn Unternehmenskonstruktionen so gestaltet werden, dass sie involvierte Personen oder Transaktionsflüsse verschleiern. Den UBO, also den Ultimate Beneficial Owner (wirtschaftlich Berechtigter) durch den automatisierten Abgleich mit dem Transparenzregister zu verifizieren, ist ein Beitrag zur Compliance-Sicherheit, den RegTech leistet.

False Positives in Geldwäsche-Analysen reduzieren

RegTech bringt in der Prävention von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung eine hohe Automatisierungsleistung, indem es riesige Datenmengen aus Sanktions- und PEP-Listen mit den Daten von Neu- und Bestandskunden abgleicht und Transaktionsmuster sowie Betrug erkennt. Einsparpotenzial bringt RegTech vor allem dann, wenn False Positives reduziert werden. Jeder False Positive bringt manuellen Aufwand mit sich. Um das einzugrenzen, lohnt es sich, die Qualität der Analysen konsequent zu verbessern.

Marktmissbrauch und Insiderhandel in Schach halten

Mitarbeiter geraten je nach Funktion schnell in Interessenkonflikte. Egal, ob sie absichtlich oder unabsichtlich unzulässigen Wertpapierhandel betreiben: Das Risiko trägt zunächst das Institut. RegTech hilft bei der laufenden Überwachung des Eigenhandels der Bank und der Mitarbeiter, ermöglicht Preclearance bei Drittbankgeschäften und unterstützt die Führung von Insiderverzeichnissen.

Zahlungen in Echtzeit überwachen

Transaktionsprüfungen sind heute weitgehend automatisiert. Sie analysieren quasi in Echtzeit Höhe, Empfänger, Empfängerland, BIC, Buchungstexte, etc. RegTech kann eine noch bessere IT-Umgebung schaffen, mit der sich Änderungen durch den Regulator bzw. interne Policies schnell in den Produktivbetrieb integrieren lassen.

Investigation Units entlasten

Wenn IT-Systeme auffällige Transaktionen oder Personendaten ermitteln, hilft nur die zeitnahe Abklärung des Vorfalls. Das ist oft ein manueller Aufwand, bei dem Unternehmen in komplizierten Fällen ganze Stäbe an Personen einsetzen, die Investigation Units. Ihre Arbeit trägt dazu bei, dass zukünftige Analysen genauer werden und immer weniger False Positives entstehen.

Cross-Border Geschäfte rechtlich prüfen

Bei grenzüberschreitenden Finanzgeschäften ist eine Vielzahl an Regeln zu beachten. Sobald ein Institut digitale Informationen von Anwaltskanzleien bezieht, können länderspezifische Regeln direkt abgefragt werden. RegTech ist aufgrund der vielen unterschiedlichen Regeln und der ständigen Aktualisierungen aus dem Cross-Border Business nicht mehr wegzudenken.

Mit Machine Learning aus Daten lernen

Machine Learning (ML) gilt als Wunderwaffe für Compliance-Automatisierung.  Das vorhandene Wissen von Compliance- oder Investigation-Verantwortlichen kontinuierlich mit Machine Learning Modellen zu verbessern ist ein vielversprechender Weg zu weiterer Automatisierung.

Vorgaben des Regulators digitalisieren

An der Schnittstelle zwischen Gesetzgeber und Unternehmen drückt der RegTech-Schuh am meisten. Kaum ein Regulator liefert Daten oder Regeln für den direkten Import. RegTech ist eine sinnvolle Investition, um Regularien schneller in die Produktivumgebung von Unternehmen zu transferieren. Werden Regeln elektronisch geliefert, verkürzen sich die Integrationszeiten, und die Kosten sinken erheblich.