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„Souveränität ist Handlungsfähigkeit“ – Manfred Beckers im Gespräch
Digitale Souveränität im Finanzsektor: Manfred Beckers über Cloud-Abhängigkeiten, DORA, Exit-Strategien und langfristige Handlungsfähigkeit.
Compliance

07.09.2026|

Damit rückt eine neue Frage in den Vordergrund: Wie viel Einfluss behalten Unternehmen auf die Technologien, von denen kritische Geschäftsprozesse abhängen? Für regulierte Finanzunternehmen geht es darum, auch unter veränderten Rahmenbedingungen handlungsfähig zu bleiben – und die Voraussetzungen dafür bewusst zu gestalten. Digitale Souveränität wird so zu einer Managementaufgabe.
Cloud- und KI-Lösungen sind Teil globaler technologischer Ökosysteme. Damit entstehen Abhängigkeiten von Anbietern, Plattformen und Rechtsräumen. Das ist grundsätzlich nicht neu – verändert hat sich jedoch die Bedeutung, die diese Verflechtungen für unternehmerische Entscheidungen haben.
Cloud und KI berühren dabei unterschiedliche Dimensionen digitaler Souveränität:
Relevant werden diese Verflechtungen insbesondere dann, wenn sich die Rahmenbedingungen verändern – etwa durch neue regulatorische Vorgaben, geopolitische Entwicklungen oder Entscheidungen von Staaten und Technologieanbietern. Der US CLOUD Act und Exportkontrollen verdeutlichen, dass solche Faktoren auch die Nutzung digitaler Technologien in Europa beeinflussen können. Seit Anfang 2025 verlangt DORA zudem für kritische IKT-Dienste dokumentierte und getestete Exit-Strategien – Handlungsfähigkeit ist damit keine Kür mehr, sondern regulatorische Pflicht.
Für Unternehmen wird deshalb entscheidend, ihre wesentlichen Abhängigkeiten zu kennen und deren mögliche Auswirkungen auf kritische Geschäftsprozesse einschätzen zu können. Nicht mit dem Ziel, sie vollständig zu vermeiden, sondern um dort Optionen vorzusehen, wo sie für die eigene Handlungsfähigkeit relevant sind.
Ob Unternehmen digital souverän sind, entscheidet sich an wenigen zentralen Fragen:
Digitale Souveränität zeigt ihren Wert nicht im Normalbetrieb. Sie bewährt sich dann, wenn Unternehmen auch im Ausnahmefall handlungsfähig bleiben.
Digitale Souveränität ist das Ergebnis bewusster Architektur- und Technologieentscheidungen. Deshalb verstehen wir sie nicht als Entscheidung für oder gegen einen bestimmten Anbieter oder eine bestimmte Technologie, sondern als Gestaltungsprinzip.
Unser Ansatz ist es, Unternehmen dort technologische Wahlmöglichkeiten zu eröffnen, wo sie für digitale Handlungsfähigkeit entscheidend sind. Das kann bedeuten, Cloud-Services wahlweise auf einer europäischen Infrastruktur bereitzustellen oder KI-Funktionen so zu gestalten, dass Unternehmen nicht an einen einzelnen KI-Anbieter gebunden sind.
So entstehen Souveränitätsarchitekturen, die kritische Abhängigkeiten transparent machen, Optionen schaffen und Unternehmen dabei unterstützen, die Kontrolle über ihre digitalen Prozesse langfristig zu sichern.
Denn digitale Souveränität bedeutet nicht, jede Abhängigkeit zu vermeiden. Sie bedeutet, dort bewusst Entscheidungen für Handlungsfähigkeit zu treffen, wo sie für Geschäftskontinuität und Vertrauen entscheidend ist.
Digitale Souveränität ist kein Selbstzweck. Sie eröffnet Unternehmen die Möglichkeit, neben ihrer Steigerung der Effizienz durch Digitalisierung auch unter veränderten geopolitischen, regulatorischen oder technologischen Rahmenbedingungen selbstbestimmt zu handeln.
Hans Jürgen Rieder, CEO ACTICO
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