"Rating ist ein Bereich, in dem die Banken sich tatsächlich vom Wettbewerb unterscheiden."

Florian Graßhoff, Risiko-Management

Volkswagen Financial Services verringert ihr Kreditrisiko mit der Credit Risk Management Platform

Corporate Rating bei Volkswagen Financial Services – Kreditbewertung als Wettbewerbsvorteil

Finanzdienstleistungen wie Fahrzeugfinanzierungen werden über die VW-Konzerntochter Volkswagen Financial Services abgewickelt, der größten automobilen Finanzdienstleistungsgesellschaft in Europa, der die Tochtergesellschaften Volkswagen Bank GmbH und deren Filialen, Volkswagen Leasing GmbH, Volkswagen Versicherungsdienst sowie weitere deutsche und internationale Tochtergesellschaften, angehören.

Die Bank hat sich dazu entschieden, ihren bisherigen Basel-II-Standard-Ansatz durch den Basis-IRB-Ansatz abzulösen – auch um ihr spezielles Know-how in diesem Bereich wirksamer nutzen zu können. Für die Bonitätsbeurteilung im Bereich Unternehmenskunden hat sie ihre bisherige MS-Access-basierte Anwendung durch ACTICO's Credit Risk Rating Modul ersetzt. Unter dem Namen "CARAT" (Corporate Assessment and Rating Model Administration Tool) ist das System seit mehreren Jahren erfolgreich im Einsatz.

Ratingverfahren zur Bonitätsbeurteilung von Unternehmenskunden

Die Bonitätsbeurteilung der Kunden erfolgt durch ein komplexes Ratingverfahren. Dabei werden sowohl Jahresabschluss-Kennzahlen als auch qualitative Faktoren – wie zum Beispiel zukünftige wirtschaftliche Entwicklungsaussichten, Einschätzung von Managementqualität, Markt- und Branchenumfeld sowie das Zahlungsverhalten – in die Bewertung einbezogen.

CARAT verwendet Daten unterschiedlicher Quellen. Hierfür war die Anbindung unterschiedlicher Lieferanten der Kennzahlen notwendig, darunter einige SAP-Anwendungen. Die gemeinsame Nutzung der Daten erforderte es, die teils redundanten Daten der verschiedenen Quellsysteme miteinander abzugleichen: Die Datensätze mussten einander zugeordnet, Dubletten erkannt und bereinigt werden. Das Resultat ist eine dauerhaft verbesserte Datenqualität, von der alle Nutzer profitieren.

Ratings berechnen, historisieren & dokumentieren

Die Analysten der Volkswagen Financial Services recherchieren und bewerten die Unternehmensdaten und berechnen mit Hilfe von CARAT das Rating. Jeder Ratingvorgang wird mit sämtlichen Ein- und Ausgabedaten im Business Warehouse des Unternehmens historisiert. Jeder Analyst verfügt über persönliche Arbeitslisten, in denen er seine Ratingvorgänge verwaltet. Ein Rating kann unterschiedliche Status annehmen: Im einfachsten Fall setzt der Analyst das Rating nach Fertigstellung vom Status "Entwurf" auf "Bestätigt", das heißt das neu berechnete Rating wird zu diesem Zeitpunkt gültig. Doch auch komplexe Workflows mit gestaffelten Statusübergängen, wie etwa die Freigabe erstellter Ratings durch die entsprechenden Kompetenzträger, sind möglich.

Zusätzlich zu der automatischen Historisierung und Dokumentation im System kann für ein fertig gestelltes und damit freigegebenes Rating ein Rating-Report erzeugt werden, der die wichtigsten Kennzahlen, Teil-Scores und die Ratingklasse auflistet. Im Regelfall hat ein Rating eine Gültigkeit von 12 Monaten. Beim Eintreten eines so genannten Ausfallgrundes (zum Beispiel Insolvenzantrag des Kunden) erfolgt automatisch eine Neuberechnung und Einstufung in eine Ausfallklasse in CARAT.

Vererbung von Ratings zwischen Mutter- & Tochtergesellschaften

Im Unternehmensgeschäft haben Konzernstrukturen unmittelbaren Einfluss auf das Ausfallrisiko: Oftmals sind Tochtergesellschaften über die Konzernmutter abgesichert. Diese Firmenverflechtungen beeinflussen das Rating. Für alle Kredit- und Leasingnehmer – unabhängig von Vererbung- und Konzernstrukturen – wird ein Einzelrating erstellt. Wenn der Kreditnehmer zu einem Firmenverbund gehört, wird anschließend in Abhängigkeit der Verflechtungsintensität das Einzelrating angepasst.

Fachbereich pflegt & entwickelt neue Modelle

Fachliche Änderungen wie beispielsweise die Anpassung eines Ratingmodells werden mit dem  Business Rules Management System ACTICO Rules durchgeführt. Der vollständig grafische Ansatz dieser Regeltechnologie vereinfacht das Handling der Modelle soweit, dass der für die (Weiter-)Entwicklung von Ratingmodellen verantwortliche Fachbereich Risikomanagement von Volkswagen Financial Services die Pflege und Entwicklung neuer Risikomodelle selbst vornimmt.

Änderungen an den Einflussfaktoren im Modell (etwa die Erweiterung um zusätzliche Risikofaktoren) werden automatisch auf die Anwendungsoberfläche übertragen. Das Ergebnis: Maximale Flexibilität von Modell und Oberfläche. Die Verantwortlichkeit liegt vollständig beim Fachbereich und erfordert im Normalfall keine Mitwirkung der IT.

ACTICO Projekt Manager Rainer Faller erläutert den Zeitvorteil, der sich daraus ergibt: "Die Architektur von ACTICO Rules bietet den Vorteil, dass die Verantwortung für den gesamten Lebenszyklus eines Ratingmodells vom Modellieren und Dokumentieren über das Testen bis hin zur Produktivsetzung im Fachbereich liegt. Das macht schnell und flexibel."

Revisionssichere Ratings

Trotz der Flexibilität, mit der auch neue Kennzahlen oder Faktoren hinzugefügt werden können, ist die Rating-Anwendung gemäß Basel II revisionssicher: Nicht nur die Ratings werden historisiert, sondern auch deren Berechnungsgrundlage: Die Versionierung der Risikomodelle erlaubt es, auch rückblickend jederzeit nachzuvollziehen, wie ein bestimmtes Rating zustande gekommen ist.

Internationaler Einsatz

Nach der erfolgreichen Einführung bei der Volkswagen Financial Services Deutschland wurden zunächst die Risikomodelle der Filiale Großbritannien aufgeschaltet. Anfang 2009 wurde die Anbindung der Auslandsfilialen Italien, Spanien und Frankreich realisiert.

"Von der Stange gibt es da nichts. Schließlich ist das Rating ein Bereich, in dem die Banken sich tatsächlich vom Wettbewerb unterscheiden."

Florian Graßhoff, Risiko-Management bei Volkswagen Financial Services