15.09.2021

Der Weg zum unabhängigen ESG-Score

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Der Weg zum unabhängigen ESG-Score

Je mehr Kunden in nachhaltige Finanzprodukte investieren wollen, je mehr nachhaltige Finanz-Assets auf den Markt kommen, umso wichtiger wird es für Banken und Fondsbetreiber, Vermögensverwalter und Anlageberater, sich von den großen Finanzdienstleistern und Rating-Agenturen zu distanzieren. Ein eigenes ESG-Scoring bietet interessante Chancen, bedarf aber guter Vorbereitung und Unterstützung durch geeigneter Software-Technologie wie beispielsweise der ACTICO Platform.

Warum ESG?

Nachhaltigkeit ist nicht nur ein Trend, der das Gewissen beim privaten Konsum beruhigt. Sondern auch ein Erfolgsfaktor in der Unternehmensführung. Als Messfaktor hat sich das ESG-Scoring etabliert, das Nachhaltigkeitsfaktoren aus den Bereichen Umwelt (E – Environment), Sozialem (S – Social) und einer rechtschaffenen Unternehmensführung (G – Governance) zusammenführt. Je höher die Bewertung, umso niedrig ist das Risiko, in einem der drei genannten Felder Probleme zu bekommen.

Sowohl für private wie für institutionelle Geldanleger können sich Finanzprodukte mit hohem ESG-Rating auszahlen. Denn es hat sich gezeigt, dass nachhaltig wirtschaftende Unternehmen langfristig mindestens die gleiche, wenn nicht eine bessere Rendite erzielen als Firmen, die nach herkömmlichen Strategien agieren. Sie zeichnen sich durch eine geringere Risiko-Anfälligkeit aus, was sich beispielsweise während der COVID-19-Pandemie in Form einer wesentlich geringeren Kursvolatilität niederschlug.

Mängel der Standard-Scores

Dementsprechend hoch ist die Nachfrage nach Finanzanlagen mit einem guten ESG-Score. Alle großen Finanzdienstleister und Rating-Agenturen haben inzwischen ESG-Scores in ihrem Portfolio. Unternehmen, die in global relevanten Indizes vertreten sind, werden von ihnen einem ESG-Rating unterzogen. Darüber hinaus führen sie zahlreiche traditionelle Fonds- und Aktien-Indizes als Nachhaltigkeits-Varianten, die nur auf Unternehmen mit einem guten ESG-Score basieren.

Allerdings unterscheiden sich Gewichtungen und Strategien der einzelnen Anbieter. Das führt zum Teil zu zweifelhaften Ergebnissen – wenn etwa nach dem „Best-in-Class“-Prinzip auch ökologisch zweifelhafte Produzenten, wie ein Fast-Fashion-Hersteller oder ein Autokonzern, der (noch) größtenteils Verbrenner-Fahrzeuge produziert, mit einem guten ESG-Score ausgezeichnet werden. Schnell kommt in solchen Fällen der Verdacht der Beliebigkeit und des Greenwashings auf – nicht nur in Bezug auf das einzelne Unternehmen, sondern auch gegenüber dem Finanzdienstleister, der solche Ratings vergibt.

Ein weiteres Problem der großen Dienstleister: Firmen, die zu klein sind oder nur regionale Bedeutung haben, finden bei diesen keine Berücksichtigung. Doch mittelständische Unternehmen machen einen erheblichen Teil des Kredit- und Anleihe-Geschäfts von regionalen und nationalen Banken aus. Auch hier haben sich ESG-Faktoren als Maßstab für bestehende Risiken bewährt – mit der Folge, dass nachhaltigere Unternehmen mit geringeren Finanzierungskosten belohnt werden.

Vorteile einer eigenen Nachhaltigkeits-Bewertung

Für Vermögensverwalter, Fondsbetreiber und Anlageberater stellt sich daher immer häufiger die Frage, ob sie ihren Kunden das Scoring von Fremdfirmen anbieten, auf das sie selbst keinen Einfluss haben und das nur einen Teil des Marktes abdeckt. Oder ob es sich nicht lohnt, einen eigenen ESG-Score aufzustellen, der mit transparenten, nachvollziehbaren Regeln Vertrauen schafft und es ermöglicht, auch Unternehmen und Finanzprodukte zu berücksichtigen, die andernfalls durchs Raster fallen. Dieser USP wirkt sowohl gegenüber Anlegern mit Fokus auf nachhaltige Investments, als auch gegenüber kleinen und mittelständischen Unternehmen, die nach kostengünstigen Finanzierungsmodellen suchen.

Voraussetzungen zur Erstellung eines ESG-Scorings

Mit Hilfe flexibler, anwenderfreundlicher Softwaretools kann heute ein breiter Anwenderkreis seine eigenen ESG-Scores zu wirtschaftlichen Bedingungen erstellen.

Größte Herausforderung auf dem Weg zum eigenen ESG-Scoring ist die Datenbeschaffung. Die Basis liefern häufig zugelieferte Daten von verschiedenen spezialisierten Dienstleistern. Ein erster Prüfstein für eine geeignete Software ist die Unterstützung beim Einbinden unterschiedlicher Datenquellen und -formate, sowohl interne wie externe Datenbanken und -services. Unverzichtbar ist darüber hinaus die automatisierte Analyse unstrukturierter Datenquellen, von Nachhaltigkeitsberichten der Unternehmen über einschlägige Foren bis hin zur Auswertung von Social-Media-Kanälen mittels Machine Learning (ML) und Künstlicher Intelligenz (KI).

Ein weiteres Kriterium ist die Frage, wie einfach und flexibel die Rechenmodelle erstellt und verändert werden können: Nur von spezialisierten Entwicklern, von der IT-Abteilung oder – zumindest in Teilen – auch von Non-IT-Experten? Gerade bei der Optimierung und Aktualisierung der Modelle sowie bei der Erstellung von Varianten gemäß kundenspezifischer Vorgaben bringen grafische Programmieroberflächen, die von Mitarbeitern der Fachabteilungen bedient werden können, deutliche Vorteile. Es entfallen aufwändige Abstimmungsprozesse zwischen Fach- und IT-Spezialisten, so dass die Entwicklungsprozesse schneller und kosteneffizienter verlaufen.

Nicht zuletzt kommt es bei allen Stufen einer solchen Anwendung darauf an, benutzerfreundliche Workflows zur Verfügung zu stellen, die Anwender bei der Datenbeschaffung und -analyse ebenso unterstützen wie bei der Auswertung und dem Reporting, die Transparenz schaffen und Prozesse weitgehend automatisieren.

Beispiel für eine umfassende Plattform

Die ACTICO Platform ist spezialisiert auf die Automation von Prozessen und die Reduzierung manueller Tätigkeiten durch den Einsatz künstlicher Intelligenz (KI). Effizientere Workflows und benutzerfreundliche grafische Tools senken die Kosten sowohl bei der Einrichtung des Systems als auch im Betrieb, so dass der Return-on-Invest (RoI) in relativ kurzer Zeit erreicht wird.

Für die genannten Anforderungen bringt die ACTICO Platform alle nötigen Werkzeuge mit. Sie unterstützt Data Scientists bei der Konsolidierung von Daten unterschiedlicher Quellen und Formate, so dass diese für die folgenden Schritte bereitstehen und einfach eingebunden werden können. Ergänzt wird das System um ein benutzerfreundliches User Interface (UI), das es ermöglicht, verbliebene Informationslücken manuell zu füllen.

Der gesamte Prozess des ESG-Scorings wird im Rahmen der Entscheidungsmodellierung abgebildet. Hier bringen die Fachanwender ihr Wissen ein, um geeignete Business Rules für ein ESG-Scoring zu entwerfen: Die Entscheidung zum Bewertungskonzept, welche Kriterien mit welcher Gewichtung einfließen, ob es Ausschluss-Kriterien gibt und vieles mehr.

Dazu steht mit dem ACTICO Modeler ein grafisches Entwicklerwerkzeug zur Verfügung, in dem Fachexperten das Regelwerk über grafische Symbole und Verknüpfungen erstellen. Der Modeler generiert daraus lauffähigen Programmcode, den man in die bestehende Applikationslandschaft einbinden kann. Damit werden aufwändige Abstimmungsprozesse und lange Projektlaufzeiten vermieden.

Wo es bei der Datenverarbeitung bislang an einer klaren Entscheidungslogik fehlt, kommt Machine Learning ins Spiel. Darüber lassen sich beispielsweise Zusammenhänge und Entscheidungswege aus historischen Daten generieren oder Algorithmen entwickeln, die automatisiert per NLP Informationen aus Texten gewinnen. Diese werden mit den Business Rules in einem Model-Ops-Repository zusammengeführt, so dass diese als Komponenten der Decision Automation zur Verfügung stehen. Automatische Dokumentation von Start- und Endwerten sowie von Änderungen am Regelwerk, dazu Versions- bzw. Variantenverwaltung und nicht zuletzt die Ausgabe der Shapley-Values tragen dazu bei, die von der EU im Rechtsrahmen für KI vorgeschriebene Nachvollziehbarkeit von Algorithmen zu gewährleisten.

Liegt der ESG-Score für alle Produkte vor, kann der Finanzberater geeignete Anlage-Assets gemäß den Wünschen des Kunden vorschlagen. Decision Applications, die ebenfalls wieder in Form von grafischen Benutzeroberflächen im Browser zur Verfügung stehen, machen es dem Anwender einfach, die Auswahlregeln zu hinterlegen und die Ergebnisse in ein optisch ansprechendes Reporting zu verpacken. Hier bekommt der Kunde nicht nur den ESG-Score aufgelistet, sondern eine visuelle Auswertung, die ihm die Entscheidungsfindung erleichtert. Die Offenlegung der Einflussfaktoren und ihrer Gewichtung erhöht die Transparenz und stärkt das Vertrauen des Kunden in seinen Finanzberater.

Fazit

Mit einer geeigneten Lösung gelingt es Banken, Fondsbetreibern und Finanzdienstleistern, mit vertretbarem Aufwand eine eigenständige Position im lukrativen Markt für nachhaltige Investments und Finanzierungen einzunehmen und sich so vom Wettbewerb zu differenzieren. ACTICO bietet eine umfassende Technologie, die nicht nur alle nötigen Tools mitbringt, sondern darüber hinaus noch wesentliche Vorteile bei der weiteren Automatisierung von Workflows bietet.

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