15.02.2018

Cloudbasierte Anwendungen: Die Finanzindustrie auf Aufholjagd?

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Cloudbasierte Anwendungen stellen kaum ein neues Konzept dar. Dennoch betrachteten Finanzinstitute (FIs) wie Banken, Versicherungen und andere Finanzdienstleister das Thema Cloud mit großer Skepsis. Klar, die Konsequenzen aus der Nichteinhaltung und Verstößen gegen die Regularien hat in den vergangenen Jahren einigen Großbanken erhebliche Strafen eingebracht. Aufgrund dessen hatten viele Banken das Gefühl, dass ein Umstieg auf cloudbasierte Anwendungen ein erhöhtes Risiko darstellt.

Hindernisse – intern wie extern

Doch woher rührt diese Unsicherheit und Skepsis? Teilweise mag es auf die umfangreichen Datenschutzbestimmungen und Anforderungen an das Risikomanagement zurückzuführen sein. So müssen FIs folgende Fragen bei der Nutzung von cloudbasierten Anwendungen beantworten:

  • Wo? In welchem Land und an welchem Ort liegen meine Daten physisch bzw. können meine Daten aus Vertragssicht liegen? Wie kann ich das verifizieren?
  • Wer? Welche Menschen greifen lesend/ schreibend/ administrierend auf meine Daten zu? In welchem Land arbeiten diese Menschen? Dienstleister des Cloud-Anbieters?
  • Wie? Nach welchen Arbeitsabläufen (Entwicklung, Betrieb, Datenmanagement) werden meine Daten in der Cloud verarbeitet? Welche Schlüsselkontrollen sind in diese Arbeitsabläufe integriert?
  • Werden Rechtsrisiken bei der Datenverarbeitung im europäischen und außereuropäischen Ausland angemessen gesteuert (Durchsetzbarkeit)?

Neben den regulatorischen Themen gesellen sich auch Fragen der Service-Level, was eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Cloud-Anbietern und FIs erschwert. So bieten Cloud-Anbieter Standard-SLAs, welche meist nicht die Erwartungen der FIs erfüllen. Die Erwartungshaltung seitens der FIs ist, dass neben höchster Verfügbarkeit auch ein 24/7 Zugriff und Service angeboten wird. Dennoch muss erwähnt werden, dass die tatsächliche Leistungsqualität der Cloud Services weit über den Standard-SLAs und damit klar im Bereich der Anforderungen von Finanzdienstleistern liegt.

Cloud Services – ungenutztes Potenzial im Bankenbereich

Dennoch befinden sich derzeit eine Vielzahl der alteingesessenen Finanzinstitute im tiefgehenden Umbau. Eine Baustelle sind dabei die hohen Kosten in den Instituten. Die Nutzung externer IT-Leistungen aus der Cloud könnte Abhilfe schaffen. Hierbei spielen zwei Vorteile der Cloud eine zentrale Rolle (1) sie können helfen, Kosten zu senken (2) sie helfen, Prozesse zu vereinfachen und machen die Infrastruktur von Firmen agiler. So haben in den letzten Jahren diverse FIs Cloud-Strategien rasch eingeführt. Gegenwärtig scheint es, dass nur sehr wenige FIs immer noch eine strikte No-Cloud-Politik haben.

Nahe liegend ist hier die Frage, was FIs derzeit unter Cloud-Nutzung und ihren Cloud-Strategien verstehen. Oftmals wird hier die Nutzung von Cloud-Technologien in eigenen Rechenzentren für die Optimierung der eigenen Infrastrukturplattformen als Cloud-Strategie gesehen. Jedoch bleibt an dieser Stelle unbeachtet, dass es hier zu keiner Kostensenkung kommt, da der Fixkostenanteil der IT nach wie vor hoch ist. Die Möglichkeit, Betriebs- und Wartungskosten zu senken und agiler auf aktuelle Marktveränderungen zu reagieren, bleiben ihnen nach wie vor verschlossen.

Kurzum, die tatsächlichen Potenziale der Cloud – Reduzierung der Kosten als auch die Agilität und die damit verbundene schnellere Time-to-Market – liegen derzeit in der Finanzindustrie brach.

Der Weg nach vorne

Das aktuelle Niedrigzinsumfeld, der steigende Wettbewerbsdruck aufgrund der FinTech-Innovationen spielen momentan eine entscheidende Rolle dabei, dass sich Cloud-Anbieter und Finanzdienstleister aufeinander zubewegen. So werden Anforderungen seitens der FIs überarbeitet, und Cloud-Anbieter haben Angebote angepasst. So wurden beispielsweise Rechenzentren in Deutschland aufgebaut, um die entsprechenden Datenschutzrichtlinien gewährleisten zu können. Dies ebnet den Weg für die Einführung cloudbasierter Anwendungen.

Jedoch findet eine Einführung cloudbasierter Applikationen nicht in allen Geschäftsbereichen statt. So bleiben Kernbankensysteme und unternehmenskritische Anwendungen nach wie vor lokal installiert. Dennoch verändert sich diese Haltung in dem Maße, wie die Unternehmen Vertrauen in die Leistungsfähigkeit und Sicherheit der Cloud gewinnen. Hier wird erwartet, dass innovative RegTech und Marktdatenservices ebenfalls in die Cloud umziehen werden.